Urologische Tumore

Allgemeine Informationen zu Nierentumoren

In Deutschland erkrankten 2012 nach Angaben des Robert-Koch –Instituts 15 000 Menschen an einem Nierentumor ( Männer 2/3, Frauen 1/3).
Damit gehört er nach dem Prostatakarzinom und dem Blasentumor zu dem am dritthäufigsten auftretenden Tumor der Harn- und Geschlechtsorgane. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 60 Jahren. Etwa 95 % aller Nierentumoren sind bösartig. Die Häufigkeit des Auftretens von Nierentumoren nimmt in den Industrieländern zu. Für 2016 wurden für Deutschland 16500 Fälle geschätzt.

Ursachen:

Als Ursachen sind Umweltgifte ( Schwermetalle z.B. Cadmium, Blei; Lösungsmittel, Teer, petrolchemische Substanzen ), Nikotinmissbrauch, Passivrauchen, Bluthochdruck sowie ständige Einnahme bestimmter Schmerzmittel bekannt ( z.B. Phenacetin). Ein höheres Tumorrisiko haben auch Übergewichtige und Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion.

Auch genetische Ursachen werden vermutet.

Symptome ( Erkrankungszeichen ):

Früher kamen die Patienten oft erst mit Spätzeichen wie Blut im Urin, Schmerzen in der Flanke oder sogar einer Schwellung der Flanke zum Arzt. Solche Zeichen treten meist er sehr spät auf. Oft waren dann auch schon Metastasen ( Tochtergeschwülste) vorhanden und eine Heilung nicht möglich.

Je zeitiger ein Nierentumor gefunden wird, umso größer sind die Chancen geheilt zu werden.

Heute werden Nierentumoren durch eine Ultraschalluntersuchung oft zufällig und sehr früh gefunden, je nach Lage des Tumors schon ab einer Größe von 1,5 cm – 2cm, so dass eine Operation (Entfernung der Niere oder des tumortragenden Teils der Niere) eine Heilung bedeutet.

Diagnostik:

In der Regel führt eine Ultraschalluntersuchung, die entweder bei einer Vorsorgeuntersuchung oder wegen Beschwerden durchgeführt wird, schon zur Diagnose einer „Raumforderung“ der Niere. Eine Computertomographie (manchmal auch ein Magnetresonanztomogramm, MRT) mit Kontrastmittel gibt jedoch noch mehr Informationen. Zum Beispiel kann durch Art der Anreicherung des Kontrastmittels in der Raumforderung fast immer gesagt werden, ob der Tumor bösartig ist. Aber auch die Beteiligung der in unmittelbarer Nähe liegenden Lymphknoten und der Blutgefäße kann geklärt werden. Eine zusätzliche Untersuchung der Lunge kann mit großer Sicherheit Tochtergeschwülste nachweisen oder ausschließen.

Therapie:

Als heilende Therapie kann nur die komplette Tumorentfernung angesehen werden. Während man früher immer die komplette Niere entfernte, wird heute versucht, nur den Tumor zu entfernen und so viel funktionierendes Nierengewebe wie möglich zu erhalten.

Strahlen-, Chemo- oder Hormontherapie allein erzielen keine Heilung ( Zusätzliche medikamentöse Therapie siehe unten).

Auch Tochtergeschwülste ( Metastasen ) werden in bestimmten Fällen operiert. Sollten bereits Tochtergeschwülste, bei denen eine Operation nicht sinnvoll scheint ( z.B.  bei vielen Tochtergeschwülsten an unterschiedlichen Stellen)  vorhanden sein,  wird auch hier in den meisten Fällen die Entfernung des Nierentumors durchgeführt, da eine Verringerung der Tumormasse zu einer besseren Wirkung einer zusätzlichen medikamentösen Therapie führen kann.

Operation:

In der Regel wird versucht bei der Operation  nur den Tumor zu entfernen. Bei ungünstiger Lage ( zum Beispiel in der Nähe der die Niere versorgenden Blutgefäße ) oder zu großem Tumor  wird die Niere mit der sie einhüllenden Fettkapsel entfernt. Zu bis zu 5% kann die Nebenniere Sitz einer Tochtergeschwulst sein, so dass man sie früher ebenfalls immer entfernt hat.Heute kann man das in der Regel vor der Operation feststellen und entfernt die Nebenniere möglichst nicht, da sie für die Produktion bestimmter Hormone verantwortlich ist.Die Operation kann offen über den Bauchraum von der Körpermitte oder von der Seite aus erfolgen.In letzter Zeit wird jedoch immer öfter eine laparoskopische Operation ( minimal invasiv, über eine Bauchspiegelung) angewandt, bei der kein großer Schnitt, sondern mehrere kleine Schnitte für die endoskopischen Instrumente erforderlich sind.

Auch hier ist es von der Lage des Tumors abhängig, ob die Möglichkeit dieser Operation besteht.

Sollte eine Niere komplett entfernt werden müssen, übernimmt die andere Niere nach einer gewissen Anpassungszeit völlig ausreichend die Funktion der Blutreinigung.

Zusätzliche Therapie:

Eine zusätzliche Therapie ist nur erforderlich, wenn der Tumor nicht mehr auf die Niere begrenzt ist und Tochtergeschwülste vorliegen.Handelt es sich um eine oder wenige Tochtergeschwülste ( meist in der Lunge ), wird auch hier die Operation angestrebt.Tochtergeschwülste im Knochen führen zu einer erhöhten Gefahr eines Knochenbruchs und hier kann eine Bestrahlung zur Stabilisierung des Knochens und bei Schmerzen zur Schmerzreduktion durchgeführt werden.Treten die Tochtergeschwülste schnell nach der Operation auf, besteht heute die Möglichkeit einer sogenannten zielgerichteten Therapie ( sogenannte „Targeted Therapy „), bei der Medikamente an verschiedenen Stellen in den Stoffwechsel und die Vermehrung der Tumorzellen eingreifen.

Nachsorge:

Nach der Operation wird der Patient regelmäßig betreut; es erfolgen eine Kontrolle der Nierenfunktion sowie Ultraschalluntersuchungen der verblieben Niere. In regelmäßigen Abständen wird die Lunge geröngt und eventuell wird zur Kontrolle auch ein Computertomogramm durchgeführt.

Zusammenfassung:

Nierentumoren können durch Ultraschalluntersuchungen zeitig entdeckt werden. Bei Beschränkung des Tumors auf die Niere ist die Operation gleichbedeutend mit Heilung.Für den Inhalt verantwortlich ist Dipl.-Med.Olaf Scharfenberg, Facharzt für Urologie, medikamentöse Tumortherapie und Andrologie

 

Hodenkarzinom

Der Hodentumor ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes unter fünfzig und der häufigste Keimzelltumor des Mannes. Nur 5% der männlichen Keimzelltumoren werden nicht im Hoden diagnostiziert.

Insgesamt werden ca. 4000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland diagnostiziert. Damit handelt es sich aber um eine relativ seltene Erkrankung.

Als Risikofaktoren sind der Hodenhochstand des neugeborenen Jungen und genetische Verwandtschaft mit Hodentumorpatienten bekannt. Auch Infertilität und das Klinefelter-Syndrom sind mit einem erhöhten Auftreten von Keimzelltumoren verbunden.

Das typische Frühsymptom ist eine meist schmerzlose Schwellung oder Verhärtung des Hoden. Daher ist die wichtigste Form der Früherkennung bei jungen Männern die regelmäßige (alle 1-2 Wochen) Selbstuntersuchung der Hoden. Veränderungen kann man  sehr gut in einem frühen Stadium feststellen und sollte sich dann umgehend bei einem Facharzt für Urologie vorstellen.

Die Einteilung der Keimzelltumoren erfolgt histologisch in Seminome und nichtseminomatöse Keimzelltumoren. Nach Abschluss der vollständigen Diagnostik erfolgt eine Klassifizierung in verschiedene Stadien und Risikogruppen, um eine effektive und möglichst nebenwirkungsarme Therapie zu ermöglichen. Die dazu benötigten Kriterien sind der ausführliche histologische Befund des Tumorpräparates, die Tumormarker und das Ergebnis der bildgebenden Untersuchungen.

Die primäre Therapie des Hodentumors ist immer die Entfernung des betroffenen Hodens. Bereits vor dem ersten Therapieschritt sollte eine Kryokonservierung des Ejakulats angeboten werden. Die möglichen weiteren Therapieschritte können eine engmaschige Überwachung zur frühzeitigen Erkennung eines Therapiebedarfs oder aber verschiedene Chemotherapien, eine Bestrahlung des Bauchraumes oder eine Operation zur Entfernung von Metastasen oder Lymphknoten sein. Welche Art und die Reihenfolge der Therapien hängen vom vorliegenden Stadium der Erkrankung ab und sollte sich stark an den vorliegenden Leitlinien orientieren. Die Vorstellung des Falles sollte in einer Tumorkonferenz erfolgen. Außerdem ist die Einholung einer Zweitmeinung in einem Zentrum oder über die Homepage „zm-hodentumor.de“ empfehlenswert. Dies erfolgt durch den behandelnden Urologen.

Insgesamt ist die Prognose gut. Unter Berücksichtigung aller Tumorstadien ist eine Heilungsrate von über 90% erreichbar. Voraussetzung dafür ist die konsequente Umsetzung der stadiengerechten Therapiekonzepte. Die Missachtung der etablierten Therapiestandards führt nachweislich zu schlechteren Ergebnissen.

Auch die Nachsorge ist stadienabhängig. In den ersten zwei Jahren nach Beendigung der Tumortherapie sind in der Regel dreimonatige Untersuchungen zu empfehlen. Bei diesen Untersuchungen werden verschiedene Laborkontrollen, die körperliche Untersuchung und auch bildgebende Verfahren wie Sonographie, konventionelles Röntgen, Computertomographie und MRT miteinander kombiniert. Nach Ablauf von fünf Jahren ist ein Rezidiv sehr unwahrscheinlich, aber möglich (sogenannte „Spätrezidive“).   

Link: Patientenleitlinie Früherkennung des Prostatakarzinoms, Therapie des lokal begrenzten und des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms

http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/patientenleitlinien/prostatakrebs/

Allgemeines

Ca. 60.000 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland an Prostatakrebs. Damit ist es der häufigste Tumor des Mannes hierzulande. Die familiäre Vorbelastung bei nahen Verwandten (Vater, Bruder, Onkel) ist ein Risikofaktor für das Auftreten eines  Prostatakarzinoms. Darüber hinaus scheint es genetische Faktoren zu geben, die eine unterschiedliche Häufigkeit bei verschiedenen Rassen erklären. Auch die chronische Prostataentzündung wird als Risikofaktor angesehen, da sie über die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe zu Mutationen im Erbmaterial führen kann.

Die Häufigkeit des Auftretens steigt mit dem Alter und beträgt etwa 50/100.000 bei den 60 jährigen, aber ca. 400 /100.000 bei den 75-85jährigen.

Die Krankheitsverläufe variieren stark, manche Prostatakarzinome wachsen so langsam, dass sie nie zu klinischen Symptomen oder einer Einschränkung der Lebenserwartung führen, andere Prostatakarzinome sind sehr aggressiv und rasch voranschreitend. So unterscheidet man auch klinisch signifikante von insignifikanten Prostatakarzinomen.

Symptomatik

Die meisten Prostatakarzinome verursachen keine spezifischen Beschwerden und fallen bei der Vorsorgeuntersuchung durch einen erhöhten PSA-Wert („Prostata-spezifisches Antigen“, Tumormarker im Blut) oder eine Verhärtung bei der rektalen Untersuchung auf.

Erst im fortgeschrittenen Stadium können Symptome wie ein Harnverhalt, Blut im Urin oder Schmerzen im Becken auftreten. Diese sind jedoch sehr unspezifisch und können auch durch andere Erkrankungen, z.B. die gutartige Prostatavergrößerung verursacht sein, sollten jedoch gründlich abgeklärt werden.

Diagnostik

Das Prostata-spezifische Antigen, PSA, gemessen im Blut, ist trotz aller Diskussion wichtigster Bestandteil der Früherkennung. Darüber hinaus ist es aber auch ein wichtiger Marker für die Prognose bei festgestelltem Prostatakarzinom und ein wichtiger Verlaufsmarker zur Beurteilung der Heilung oder des Wieder-Auftretens (Rezidiv)  eines Karzinoms oder von Metastasen. Die Höhe des Wertes muss immer in Abhängigkeit von der Situation (Vorsorge, Prognose vor Therapie, Verlaufskontrolle nach Therapie, etc.) betrachtet werden. So kann ein Anstieg um 0,5 ng/ml im Bereich der Vorsorge bedeutungslos sein, während ein solcher Anstieg nach einer Operation zur kompletten Entfernung der Prostata ein Hinweis auf eine erneute Tumoraktivität sein kann.

Auch der Normalbereich bei gesunden Männern, meist <3-4 ng/ml, je nach Testsystem, sollte immer in Abhängigkeit vom Alter des Patienten und der Prostatagröße beurteilt werden und kann Schwankungen unterlegen sein.

Zur Erhöhung der Aussagekraft des PSA-Wertes  im Rahmen der Vorsorge/ Früherkennung können noch Unterformen des PSA-Moleküls gemessen werden, z.B. das sogenannte freie PSA (fPSA, ungebunden an Transporteiweiße) oder das 2pro-PSA. Aus diesen zusätzlichen Werten kann der  Prostate-Health-Index, pHI errechnet und zur Beurteilung des Risikos auf ein Prostatakarzinom und der Einleitung weiterer Abklärungsmaßnahmen herangezogen werden.

Bei der klinischen rektalen Untersuchung werden vor allem die Größe, Konsistenz, Oberflächenbeschaffenheit und die Abgrenzbarkeit der Drüse zum umliegenden Gewebe beurteilt. Karzinome können je nach Lokalisation durch Verhärtungen und Unebenheiten auffallen.

Die Ultraschalluntersuchung der Prostata, meist als rektale Sonografie ist wichtig zur Messung der Prostatagröße und Beurteilung der Gewebestruktur. Allerdings ist die Aussagekraft gering, die meisten Karzinome können mit dem Ultraschall nicht diagnostiziert werden. Trotzdem ist die Untersuchung wichtig, da z.B. wie oben beschrieben der PSA-Wert stark von der Prostatagröße abhängt.

Bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom (erhöhter PSA-Wert, bzw. auffälliger Verlauf, Tastbefund), muss eine Probeentnehme, Biopsie von Prostatagewebe zur pathologischen Untersuchung erfolgen. Hierbei handelt es sich um einen ambulanten Eingriff, der in lokaler Betäubung oder auch leichter Narkose, ähnlich wie bei einer Darmspiegelung, erfolgt und bei dem je nach Prostatagröße ca. 10-14 Proben rektal ultraschallkontrolliert entnommen werden.

Studien haben allerdings gezeigt, dass viele Biopsien unnötig entnommen werden, da entweder kein Karzinom vorliegt oder nur ein klinisch nicht signifikantes Karzinom, was wahrscheinlich nicht behandelt werden muss. Dagegen werden einige aggressive Karzinome bei der Biopsie übersehen. Die Komplikationsrate einer Biopsie ist gering, aber es können Schmerzen, Blutungen und Infektionen auftreten.

Eine deutliche Verbesserung der Abklärung eines Karzinom-Verdachts könnte nach aktueller Studienlage durch eine spezielle MRT (Magnetresonanztomografie)- Untersuchung der Prostata erreicht werden. Eine weiterentwickelte Technik (3 Tesla, multifaktorielle Auswertung einschließlich Perfusion und Diffusion von Kontrastmittel) und die standardisierte Auswertung nach dem PIRADS-System (Prostate Imaging Reporting and Data System) führen zu einer besseren Erkennung und Lokalisation von relevanten Karzinomen. Momentan ist das 3T-MRT noch nicht in der primären Abklärung eines Prostatakarzinoms (also noch vor der ersten Biopsie) angesiedelt. Aber zunehmend zeigen Ergebnisse nationaler und internationaler Studien, einen Vorteil der MRT-Untersuchung bereits vor der ersten Biopsie. Auch unsere Gesellschaft zur Förderung der ambulanten Uro-Onkologie, GfAUO ist an einer wichtigen Studie zu diesem Thema beteiligt, der ProKOMB-Studie. (http://prokomb.de)

Bei der Abklärung eines erneuten Tumorverdachts nach erfolgter Therapie, z.B. bei PSA-Anstieg nach einer Radikaloperation oder bei Verdacht auf ein fortgeschrittenes Karzinom  werden radiologische und nuklearmedizinische Untersuchungen durchgeführt, z.B. eine Computertomografie und eine Knochenszintigrafie. Dadurch soll z.B. das Auftreten eines lokalen Rezidivs oder von Tumorabsiedlungen, Metastasen untersucht werden. Zunehmend an Bedeutung gewinnt hierbei auch die PET-CT Untersuchung, speziell als PSMA-PET-CT.  PSMA steht dabei für  Prostata-spezifisches Membran-Antigen. Es handelt sich hierbei um eine sehr sensitive Methode, die die anatomische Darstellung der Organe und Strukturen mit der Messung von Stoffwechselaktivitäten von Prostatazellen kombiniert. Dadurch können auch sehr kleine Befunde besser erkannt werden. Außerdem soll besser zwischen einem örtlich begrenzten Tumorgeschehen und einer ausgebreiteten Erkrankung unterschieden werden, da sich die weiteren Therapieoptionen entsprechend unterscheiden.

Therapie

Jede Therapieoption hat potentiell Risiken und Nebenwirkungen und welche Therapie für welchen Patienten in Frage kommt, hängt von vielen Faktoren ab: Ausgangsbefund, Ausdehnung des Tumors, Allgemeinzustand des Patienten und auch dessen Lebenserwartung und nicht zuletzt auch persönliche Präferenzen des Patienten. Wichtig sind eine ausführliche Aufklärung über die Situation und die in Frage kommenden Therapieoptionen durch den behandelnden Urologen. Manchmal ist es hilfreich, sich eine Zweitmeinung z.B. im Rahmen einer interdisziplinären Beratung im Beisein eines Strahlentherapeuten und eines operativ tätigen Urologen einzuholen. Oft werden Patienten bei bestimmten Krankheitssituationen auch in einer interdisziplinären Tumorkonferenz, z.B. der GfAUO, besprochen und eine gemeinsame Empfehlung ausgesprochen.

Man unterscheidet die Therapie eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms von der eines fortgeschrittenen und der eines metastasierten Karzinoms.

Beim lokal begrenzten Tumor erfolgt die Therapie in heilender („kurativer“) Absicht. Dazu gehört die Radikaloperation (komplette Entfernung der Prostata und der Samenblasen) und verschiedene Formen der Bestrahlungstherapie. In einigen streng definierten Situationen kann eine heilende Therapie auch aufgeschoben und der Patient aktiv überwacht werden. Dies ist bei kleinen, sehr gering aggressiven Tumoren eine Option, die allerdings genau mit dem Patienten besprochen werden muss. Bei dieser aktiven Überwachung erfolgen regelmäßige PSA-Wert Kontrollen und in bestimmten Abständen auch erneute Prostata-Biopsien um eine Änderung des Karzinoms so rechtzeitig zu erkennen, dass immer noch eine heilende Therapie (OP oder Bestrahlung) ohne Verschlechterung der Prognose erfolgen kann.

Beim örtlich (lokal) fortgeschrittenen Karzinom kommen ebenfalls die OP oder Bestrahlung in Frage, häufig jedoch auch in Kombination. Zusätzlich kann vor und nach einer Bestrahlung eine Hormontherapie eingesetzt werden.

Ist ein Prostatakarzinom bereits metastasiert, kommen systemische Therapien, also Medikamente zum Einsatz, die den ganzen Körper, das ganze „System“ behandeln.

Grundlage und erste Maßnahme ist die Absenkung des im Körper gebildeten Testosterons, in den Null-Bereich, also eine anti-hormonelle Therapie, da die Tumorzellen in den allermeisten Fällen von diesem Hormon abhängig sind. Dies erfolgt z.B. durch die Injektion eines 3- oder auch 6-Monatsdepots in die Bauchhaut. Alternativ stehen mit dem Wirkstoff Bicalutamid Tabletten zur Verfügung, die den Hormonspiegel zwar nicht absenken, aber das Ankoppeln  des Testosterons an seine spezifischen Rezeptoren auf der Zelloberfläche verhindern und somit einen ähnlichen Effekt erzielen. Darüberhinaus kommen je nach Ausgangssituation und Vor-Therapie verschiedene weitere Medikamente als Infusion oder Tabletten zum Einsatz.

So wird heute bei einem neu diagnostizierten Karzinom, welches bereits bei Diagnosestellung metastasiert ist, die Kombination aus Hormon- und Chemo- bzw. kombinierter medikamentöser Therapie empfohlen. Beim Auftreten von Metastasen im Langzeitverlauf nach OP und / oder Bestrahlung würde man dagegen in den meisten Fällen zunächst mit der Hormontherapie beginnen und weitere Medikamente oder eine Chemotherapie erst bei Versagen der alleinigen Hormontherapie anwenden. Die operative oder strahlentherapeutische Therapie einzelner Metastasen kommen in wenigen Sonderfällen als individueller Heilversuch oder zur Behandlung tumorbedingter Schmerzen zum Einsatz.

Als Chemotherapeutika stehen die Substanzen Docetaxel und Cabazitaxel zur Verfügung, die je nach Zustand des Patienten alle 1-3 Wochen als Infusion verabreicht werden. Die Nebenwirkungen lassen sich heutzutage recht gut kontrollieren, so dass eine ambulante Therapie in der Uro-onkologischen Praxis der Standard ist.

Weitere Medikamente sind Arbiraterone und  Enzalutamid, die als Tabletten täglich eingenommen werden und die an bestimmten „Schaltstellen“ der Tumorzelle agieren. Dadurch werden deren Aktivierung z.B. durch Hemmung der Hormonrezeptoren und aktivierender Zellsignale unterdrückt.

Eine weitere Substanz ist das Alpha-Radin, eine Form der Strahlentherapie, bei der ein sogenannter Alpha-Strahler zur Anwendung kommt, der  als Infusion alle 4 Wochen appliziert  wird und sich ausschließlich in Knochenmetastasen anreichert und nur dort seine Anti-Tumoraktivität entfaltet. Diese Therapie erfolgt ebenfalls ambulant aber in einer nuklearmedizinischen Einrichtung.

Weiterhin erwähnt werden soll die Therapie mit Lutetium-PSMA als ein Verfahren der Radionuklidtherapie. Diese wird an hochspezialisierten nuklearmedizinischen Zentren durchgeführt, ist aber noch keine Standardtherapie, da noch nicht genügend Studiendaten zur Wirksamkeit vorliegen.

Zur Stabilisierung des Knochens bei Vorliegen von Knochenmetastasen werden Bisphosphonate, z.B. Zoledronsäure als Infusion oder Antikörper, z.B. Denusomab als subkutane Injektion eingesetzt.

Die Therapie des Prostatakarzinoms ist sehr komplex und bedarf einer guten interdisziplinären Abstimmung. Auch die kompetente Aufklärung des Patienten über die verschiedenen Therapieoptionen in den jeweiligen Stadien der Erkrankung sind eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

Das Blasenkarzinom

1.Häufigkeit

 Übersicht Erkrankungen/ Todesfälle

Männer

Frauen

Neuerkrankungen
(pro Jahr in Deutschland)

11.350

4.150

Todesfälle
(pro Jahr in Deutschland)

3.631

1.885

Quelle: Krebs in Deutschland 2009/2010, 9. Ausgabe. Robert Koch-Institut, Berlin 2013


2. Risikofaktoren

  • Tabakkonsum, Passivrauchen
  • Chemotherapeutika (z.B. Cyclophosphamid)
  • Ionisierende Strahlung
  • Familiäre Häufung
  • Bilharziose-Infektion (Plattenepithelkarzinom)

Gefährdete Berufsgruppen:

Maler, Lackierer, Friseure, Chemische Industrie, Gummi-Industrie, Busfahrer, Bergleute, Kfz-Mechaniker, Leder-Industrie, Schmiedehandwerk, Maschineneinrichter, Mechaniker

3.Symptome

Blut im Urin, meist schmerzlos oder auch nur mikroskopisch nachweisbar

Unspezifische Reizsymptome wie häufiges Wasserlassen, Drang oder Brennen

4. Diagnostik

Anamnese (Krankengeschichte)
körperliche Untersuchung
Ultraschall der gefüllten Harnblase‘
Urinuntersuchung, Zytologie
Blasenspiegelung (Zystoskopie), bei Männern heutzutage meist als flexible Zystokopie
Evtl. CT oder MRT bei Verdacht auf eine fortgeschrittene Erkrankung
Ultraschallbild eines kleinen Tumors in der Blase
Kleiner Blasentumor bei der Zystoskopie
Blasenspiegelung mit dem flexiblen Zystoskop

5. Therapie

Die meisten Blasentumore wachsen oberflächlich und können endoskopisch, durch die Harnröhre (transurethral) entfernt werden (TURB).

Immer häufiger wird dabei ein spezielles Fluoreszenz-Verfahren (Photodynamische Diagnostik, fluoreszenz-assistierte TURB) angewendet, um keine weiteren kleinen Tumore zu übersehen. Dadurch kann die Detektionsrate um bis zu 30% erhöht werden.

In bis zu 70% kann es nach der ersten Tumorentfernung zu einem erneuten Auftreten eines Tumors kommen, zu sogenannten Rezidiven. Um dieses Risiko zu verringern, wird nach primärer OP oft eine lokale Chemo- oder Immuntherapie durchgeführt. Dabei wird nach einem bestimmten Wochenschema ambulant ein Medikament in die Blase eingebracht, welches verbliebene Tumorzellen zerstören soll.

Bei Tumoren, die bereits in tiefere Schichten der Blasenwand vorgedrungen sind, muss die gesamte Blase entfernt werden.  Der in den Nieren produzierte Urin  wird dann entweder über ein ausgeschaltetes Dünndarmsegment über die Haut abgleitet (Ileum-Conduit), oder es wird aus einem längeren Darmabschnitt ein neues Reservoir („Neoblase“) gebildet. Diese wird mit der Harnröhre verbunden.

In seltenen Fällen sind auch eine Blasenteilentfernung oder eine Bestrahlung als heilendes Verfahren möglich.

Ist ein Tumor bereits metastasiert (ca. 5% aller Blasentumore bei Diagnosestellung), muss eine sogenannte systemische Therapie erfolgen (der ganze Körper, das ganze System wird behandelt). Eine Heilung ist hier nur selten möglich. Standard ist hier eine Chemotherapie, die nach einem bestimmten Schema über mehrere Wochen, bzw. Monate per Infusion verabreicht wird. Diese Therapie ist in den meisten Fällen gut ambulant durchzuführen.

Zunehmend gewinnen allerdings auch neue Formen der Immuntherapie an Bedeutung. Hierbei wird die körpereigene Immunabwehr, die durch die Krebszellen blockiert wird, wie das Lösen einer Bremse wieder reaktiviert. Körpereigene Zellen erkennen die Tumorzelle wieder als solche und vernichten sie. Diese Medikamente, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren werden ebenfalls nach einem festgelegten Wochenschema (z.B. alle 3 Wochen) als Infusion verabreicht. Die Nebenwirkungsrate ist hierbei sehr gering.

Insgesamt ist die Abklärung und Behandlung von Blasentumoren immer eine interdisziplinäre Arbeit, bei der wir, die onkologisch tätigen Urologen intensiv mit Radiologen, Strahlentherapeuten, Internisten, Onkologen und natürlich auch mit den Hausärzten unserer gemeinsamen Patienten zusammenarbeiten.

Allgemeine Informationen zum Peniskrebs

Peniskrebs ist eine eher seltene Erkrankung, die vor allem bei älteren Männern, ab circa 60 Jahren auftritt. In Deutschland wird pro Jahr bei ca. 600 Männern diese Diagnose gestellt.  Als Peniskarzinom bezeichnet man bösartige Tumore an der Vorhaut und der Eichel. Es handelt sich meistens dabei um einen vergleichsweise langsam wachsenden Tumor, der in seltenen Fällen auch in weitere Organe streuen kann. Bei Früherkennung und früh einsetzender Therapie bestehen sehr gute Heilungschancen. Allerdings ist das Peniskarzinom im Frühstadium nur bedingt auszumachen. Behandelt man den Krebs nicht, kann er sich in die Schwellkörper ausbreiten oder über die Lymphwege verteilen so dass z.B. Geschwülste im Becken- und Leistenbereich entstehen.

Ursachen und Risikofaktoren bei der Entstehung von Peniskrebs

Die Forschung zu den Ursachen von Peniskarzinomen steckt noch in einer frühen Phase. Es wird vermutet, dass der Peniskrebs neben der altersbedingten Entartung oder bestimmten Schleimhautveränderungen (Leukoplakien) unter anderem auch durch Viren entsteht. Dabei erkennt man in der Forschung Zusammenhänge mit der Infektion durch HPV, den sexuell übertragbaren Humanen Papilloma Virus. Da man vermutet, dass Infektionskrankheiten ursächlich für Peniskrebs sind, geht man auch von einer Verbindung zwischen Hygiene und Peniskrebs aus: Das sich unter der Vorhaut bildende Smegma, kann die Entstehung von Peniskrebs begünstigen. Auch eine Phimose (Vorhautverengung) kann ein Risikofaktor für die Entstehung von Peniskrebs sein, da die Hygiene (und Entfernung von Smegma) durch das komplette Zurückschieben der Vorhaut nicht möglich ist.

Charakteristische Symptome und Indikatoren

Das Peniskarzinom weist häufig nur unspezifische Symptome auf und verursacht selten schon im Frühstadium Beschwerden. Übelriechender Ausfluss und Blutungen können Indikatoren sein. Bei Hautveränderungen in Form von Schwellungen und Verhärtungen im Bereich der Eichel sollte man einen Arzt aufsuchen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu blumenkohlartigen Geschwüren kommen, die leicht bluten können. Hat der Krebs bereits die Lymphknoten befallen, kann es zu Schwellungen in den Leisten und in seltenen Fällen zu einem Lymphstau in den Beinen kommen.

Diagnose und Therapie

Peniskrebs wird oft erst sehr spät erkannt, weil die Betroffenen meist keine Schmerzen haben. Deshalb ist es entscheidend, den Peniskrebs so früh wie möglich zu entdecken. Gibt es einen Verdacht auf ein Peniskarzinom, erfolgt nach einem Gespräch mit dem Arzt die Untersuchung der Region. Durch eine Gewebeprobe kann man eine eindeutige Diagnose stellen. Auch Leukoplakien, weisliche Schleimhautveränderungen, die als sichere Vorstufen (Präkanzerosen) für das Peniskarzinom gelten, sind so sicher festzustellen.

Da das Peniskarzinom nur sehr langsam wächst, kann man bei Früherkennung mit einer frühen Therapie sehr gute Heilungschancen erzielen. Die erste Therapieoption ist eine Tumoroperation bei der der Tumor lokal entfernt wird. Auf eine Penisteilamputation kann in den meisten Fällen verzichtet werden. Bei fortgeschrittener Erkrankung mit Metastasen, werden der Tumor und die regionalen Lymphknoten entfernt. In manchen Fällen ist eine prä- oder postoperative Chemotherapie sinnvoll. Diese Fälle sollten in einer interdiziplinären Tumorkonferenz besprochen werden. Eine intensive Nachsorge gewährleistet eine befriedigende Lebensqualität der Patienten.