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Ratgeber

Ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte finden Sie hier

Hodenkrebs

Allgemein
Tumorklassifikation
Therapie
Nachsorge


Allgemein

Obwohl die Hodentumore die häufigste maligne Erkrankung des jungen Mannes zwischen 20 und 35 Jahren sind, gehören sie mit 1% zu den seltenen und heute auch in den fortgeschrittenen Stadien zu den heilbaren Tumorerkrankungen.
 
Von der „Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumoren“ wurde 1996 ein Konsensus zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren erarbeitet. Dieser bildet die Grundlage für die ispäter veröffentlichte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Hodentumoren. Die Leitlinie dient einer wissenschaftlich abgesicherten, qualitativ hochwertigen und international einheitlichen Versorgung der Patienten mit Hodentumoren.


Tumorklassifikation

Nach der Diagnosestellung eines Hodentumors erfolgt die Operation. Diese besteht aus der Entfernung des betroffenen Hodens und Probeentnahme aus dem Gegenhoden unter bestimmten Voraussetzungen. Erst dann wird das weitere Vorgehen festgelegt. Bei Nicht abgeschlossener Familienplanung, sollte vor der Operation über die Möglichkeit einer Spermien-Einfrierung (Kryokonservierung) nachgedacht werden.

Die Therapieoptionen bestehen aus „wait and see“, Strahlentherapie; Chemotherapie und verschiedene weitere Operationen. Sie werden unterschiedlich eingesetzt. Die gewählte Strategie richtet sich nach:

• der Art des Tumors und den Prognosefaktoren (Histologie)
• dem Krankheitsstadium
• der Lokalisation des Streukrebses

Das Tumorgewebe wird nach der Entfernung des Hodens untersucht und in Seminome und Nichtseminome eingeteilt. Bei dieser Untersuchung sind die von den Pathologen beschriebene Gefäßbeteiligungen, eine der wichtigen Prognosefaktoren.
Die Stadieneinteilung erfolgt nach der TNM- oder nach der Lugano-Klassifikation. Bei der letzteren wird zwischen den klinischen Stadien I bis III unterschieden. Bei den Tumoren mit Streuherden erfolgt die Einteilung nach EGCCCG.
Erläuterungen: TNM-Klassifikation = Tumoreinteilung nach T = Tumor, N = Nodulus (Lymphknoten), M = Metastase,
Lugano-Klassifikation: Stadieneinteilung nach LUGANO (Ort in der Schweiz)

Für die Klassifikation des Tumors und Beurteilung der Prognosegruppe sind folgende Untersuchungen obligat:

Tumormarkerbestimmung (AFP, ß-HCG und zusätzlich das Leberenzym LDH) vor und 5 Tage nach der Hodenentfernung.
Computertomographie von Brust- und Bauch-Organe


Therapie

Die Seminome werden in der Regel in den niedrigen Stadien bestrahlt und in höheren Stadien chemotherapiert. Die Nichtseminome werden gewöhnlich in niedrigen Stadien durch eine Chemotherapie und in höheren Stadien ggf. zusätzlich durch die operative Entfernung der Metastasen (Tochtergeschwülste) behandelt.

„wait and see“

“Wait and See” heißt nichts anderes als Warten und Sehen. Diese Strategie wird den Patienten im klinischen Stadium I empfohlen und soll eine Übertherapie verhindern. Seit der letzten Veröffentlichungen (ASCO 2005) wird diese Strategie auch für Patienten mit Risikofaktoren (Gefäßbeteiligung in die feingewebliche Untersuchung) empfohlen. Patienten werden in den ersten Jahren in kürzeren Abständen untersucht und eine endgültige Therapie wird erst dann durchgeführt, wenn eine Krankheitsrückkehr (Rezidiv) sich ereignet hat.

Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie kommt fast ausschließlich zur Behandlung der Seminomen in klinischen Stadien I und II zum Einsatz. Dabei werden die Lymphbahnen und die Lymphknoten entlang der großen Gefäße bestrahlt. Des weitern wird die Bestrahlung bei den operativ nicht entfernbaren Herden eingesetzt, wie z.B. Hirnmetastasen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist der Gegenhoden, wenn dort Vorläufertumorzellen (TIN) vorliegen.
Erläuterung: TIN (Testikuläre intraepithelialen Neoplasie) = Vorläufer der Tumorzelle (wird durch Pathologen festgestellt)

Chemotherapie:

Seit der Einsatz der cisplatinhaltigen Chemotherapie wurde die Heilbarkeit und Prognose der Hodentumorerkrankungen enorm verbessert. Es gibt viele z. T. auch international standardisierte Therapie-Schemata. Die Dosis und Menge der Chemotherapie richten sich nach der Art, Klassifikation und dem Ausmaß des Tumors, sowie das Verhalten der Tumormarker vor und nach der Hodenentfernung. Es wird zwischen der konventionellen und hochdosierten Chemotherapie unterschieden.

Operationen:

Die Operationen sind vielfältig. Zunächst wird der betroffene Hoden entfernt und aus dem Gegenhoden eine Probebiopsie entnommen. Anschließend wird Anbetracht der Tumorklassifikation und Tumorlokalisation entweder eine diagnostische  bzw. therapeutische Lymphknotenentfernung (RLA= Retroperitoneale Lymphadenektomie) oder nach erfolgter Chemotherapie eine Resttumorentfernung (RTR= Residualtumorresektion) durchgeführt. Beide Operationen können offen oder laparoskopisch erfolgen.
Erläuterung: Laparoskopie = Knopf-Loch-Chirurgie


Nachsorge
 
Die intensive Nachsorge erfolgt in der Regel über 5 Jahre und spielt eine wesentliche Rolle bei der hohen Heilungsrate des Hodentumors. Denn die meisten Rezidive (Krankheitsrückfälle) treten innerhalb der ersten 2 Jahre auf und sind sehr gut zu behandeln, vorausgesetzt sie werden zeitig entdeckt. Die Nachsorge erfolgt nach einem bestimmten Plan; beginnend mit 3-monatigen Abständen und dehnt sich in den letzen Jahren auf 1x jährlich. Obligate Maßnahmen sind:

körperliche Untersuchung
Sonographie des Einzelhodens
Röntgen vom Brust- und Bauchorgane
Tumormarkerbestimmung

Für den Inhalt ist verantwortlich Dr. med. R. Nabavi